DIE ZEIT hat’s vom Einfluss des Internet als Verbreitungsvektor für „Fernsehen“ auf das Medium, die Individuen und die Gesellschaft im Ganzen.

Immer noch werden einige Sendungen ein Millionenpublikum begeistern, aber ihre Zahl wird abnehmen. Denn jeder, der will, kann sich ausufernd, wenn nicht sogar ausschließlich mit Stars und Fernsehwelten umgeben, die ihn bestätigen. Und viele werden diese Option wohl wahrnehmen. »Damit wird man seltener entdecken, was man nicht kennt«, erwartet Peter Winterhoff-Spurk, Professor für Medienpsychologie in Saarbrücken. »Und das führt zu einem Horizontverlust.«
War das Fernsehen in seinen Anfängen ein Tor zur Welt, lockt das Medium nun in die Nische. Bei der Unterhaltung genauso wie bei der Information. »Die Digitalisierung bringt mehr Freiheit für den Konsumenten. Aber gleichzeitig ist es ein Rückzug, mit dem ein Stück Demokratiekultur verloren geht«, sagt der Philosoph und frühere Kulturstaatssekretär Julian Nida-Rümelin. »Respekt und Fairness vor der Leistung des Andersdenkenden wird uns im deutschen Leitmedium immer seltener abverlangt werden.«

Und am Schluss ist mal wieder klar: Fernsehen macht doof!

Nur – nicht jeder Zuschauer wird die große Freiheit nutzen, um sich zu bilden. Die andere Seite des Extrems sind Unterhaltungsdauerschauer. Von einer »Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten« bei heranwachsenden Vielsehern spricht Manfred Spitzer, Professor für Psychiatrie der Universitätsklinik in Ulm. Zwei neue Langzeitstudien aus den USA und Neuseeland haben eine große Gruppe von Kindern und Jugendlichen über Jahre begleitet. Zu den »Vielsehern« gehörte dabei, wer mehr als drei Stunden täglich fernschaute. In Deutschland liegt der durchschnittliche Wert derzeit bei anderteinhalb Stunden, und insofern geht es fraglos um eine Minderheit. Aber diese Minderheit wächst, wenn insgesamt mehr TV konsumiert wird.
Die Studien zeigen auf frappierende Weise den Zusammenhang zwischen ausuferndem Fernsehen und dem später erreichten Bildungsniveau der Zuschauer. Sie weisen statistisch nach, dass »die Zahl der Hochschulabsolventen unter denen, die wenig fernschauen, viermal so hoch ist wie unter den Vielsehern«, sagt Spitzer. Der Fernseheffekt treffe alle Gruppen, doch den größten negativen Einfluss erreiche das Medium bei Kindern »mit mittlerem Intelligenzniveau«. Mit anderen Worten: Hoher Fernsehkonsum kann Dumme dumm halten – und mittelmäßig Begabte dumm machen.

Nur: Dass anforderungsloses Treibenlassen im Strom des traditionellen Broadcast-TVs (= couch potatoe) dieselben Folgen hat wie Rosinenpicken mittels on-demand IP-TV (= support your favorite Video-Podcast!), scheint mir nicht belegt und insofern eine anzweifelbare Behauptung. Und was, wenn es dereinst – analog zu last.fm – ein „last.tv“ gibt? Hoffentlich kommmt das. Den Tüftlern dort trau ich alles zu!

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